Damit Frau im Gelände ihren Mann steht
Frauen sind anders. Das weiß Mann spätestens seit die Pop- Psychologie Bestsellerlisten und Kinosäle erobert hat. Frauen wissen es schon längst und eine hat daraus jetzt eine clevere Geschäftsidee entwickelt: Mit "Ladybike" bringt die Weilheimerin Nicola Böhm ihren Geschlechtsgenossinnen nicht nur das Mountainbiken bei. Sie macht Mut, den Männern auch in punkto Technik Paroli zu bieten.Von Frau für Frauen: Vom 2. bis 6. Oktober macht Ladybike in der Villa Stella in Torbole Station.Fünf Tage Fahrtechnikseminare auf den schönsten Lago Trails.
Es ist der Klassiker unter den gängigen Klischees beim gemischten Doppel auf zwei Rädern: Er radelt genervt vorneweg, weil sie sich an entscheidender Stelle mal wieder nach Kräften ziert. Typisch eben. "Alles Quatsch", sagt Nicola Böhm, "Frauen sind mutig, geschickt und ausdauernd." Vorausgesetzt man weiß, wie man bei Frau den Hebel richtig ansetzt. Die 41- jährige ehemalige Weltcup-Mountainbikerin scheint's zu wissen, denn im Gelände macht ihr so schnell keiner was vor. Seit zwei Jahren trifft die umtriebige Weilheimerin mit "Ladybike" den Nerv ihrer ausschließlich weiblichen Klientel und feiert mit einer cleveren Geschäfts idee rasanten Erfolg. Fahrtechnikkurse, Reparatur-Workshops, Tourenseminare für Anfängerinnen wie für Fortgeschrittene. Alles aus einer Hand, alles von Frau zu Frau. Eines brauchen Kundinnen dabei garantiert nicht zu fürchten: mitleidiges Lächeln und männliche Besserwisserei.
Die Idee zu "Ladybike" entstand vor zwei Jahren, als die zweifache Mutter vor der Rückkehr in den Beruf stand. Als langjährige Marketingexpertin hatte sie hinreichend Erfahrung mit Erfolg versprechenden Marktlücken. Warum also nicht das Hobby zum Beruf machen, zumal sie schon seit Jahren bei regelmäßigen Ausfahrten ihrer Frauengruppe vorneweg fuhr. "Die Nachfrage dort war so groß, dass wir schon bald keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen konnten", erinnert sie sich. Während im September 2006 dann die erste "Ladybike"-Testgruppe Fahrt aufnahm, entstanden Flyer, eine eigene Homepage und Kontakte zu gängigen Radsport-Magazinen. Heute findet sich kaum mehr ein freier Platz im Kursplan, sodass in Ausnahmefällen doch die männliche Komponente ins Spiel kommen muss: Ehemann Ralf, selbst ein begeisterter Biker mit jahrelanger Rennerfahrung, hilft aus wenn's klemmt und gibt den Helfer im Hintergrund. Zum Beispiel dann, wenn es gilt, Hersteller zu kontaktieren oder Messebesuche zu organisieren, denn inzwischen können "Ladybike"-Kundinnen bei ihren Ausfahrten auch kostenlos und ausgiebig Material testen, von den neuesten Bikes, über Helme bis zu Brillen.
30 ihrer insgesamt 50 Arbeitsstunden pro Woche verbringt die frisch gebackene Unternehmerin inzwischen am Schreibtisch. Die restliche Zeit bringt sie auf den landschaftlich schönsten Trails der Schwäbischen Alb ihren Kundinnen bei, wie man Wurzelpassagen meistert, die Angst vor Schotterabfahrten verliert oder Serpentinen richtig ansteuert. Und obendrein gibt's nützliche Tipps, wie man Reifenpannen behebt oder einfache Reparaturen auch ohne fremde Hilfe bewältigt. Derlei Hilfestellungen sind nicht wenigen eine weite Anreise wert. Für Einzeltraining auf den Technik-Parcours der Bundeligazentren in Münsingen oder Heubach reisen Kundinnen inzwischen aus Augsburg, München und sogar aus der Bundeshauptstadt an. Geschäftsreisende, die nach Feierabend auf die Ortskenntnisse eines lokalen Guides setzen oder Frauen, die an technischen Schwächen feilen wollen, um besser mit ihren radelnden Partnern mithalten zu können. So wie Marion Krüger. Die 30-jährige Berlinerin hat gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten die Liebe zum Mountainbiken entdeckt. Die einwöchige Alpenüberquerung hätte die Krönung schweißtreibender Trainings wochen werden sollen - und endete mit einem Fiasko. "Ich war im schwierigen Gelände heillos überfordert", erinnert sie sich mit Grausen. Was folgte, war die totale Blockade und der feste Entschluss, es nicht darauf beruhen zu lassen. Beim dreitägigen Technikkurs mit "Ladybike" im österreichischen Lermoos, hat sie sich im Kreise Gleichgesinnter den Frust von der Seele geradelt und den Kopf von allen Ängsten befreit, hat Freundschaften geknüpft und will nun auch die Schwäbische Alb entdecken. "Die Mädels sind echt ein starker Haufen", meint sie, "so unterschiedlich und doch so gleich."
Ein starker Haufen, den es immer öfter auch in die Ferne zieht: Im März stand erstmals Mallorca im Tourenprogramm, im Oktober locken die Trails am Gardasee, weitere Ziele sollen folgen. Vom wachsenden Erfolg ist auch Nicola Böhm ein wenig überrascht. Viele Freizeitsportlerinnen haben auf ein solches Angebot offenbar lange gewartet, wie die Vielzahl von Dankesmails, die täglich bei ihr eingehen, zeigt. (Infos unter http://www.ladybike.net/)